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"Weil sie arbeiten müssen, können sie nicht zur Schule gehen - weil sie nichts lernen können, bleiben ihre Chancen gering, aus diesem Teufelskreis von Ausbeutung und Armut herauszukommen."
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Das wachsende Problem der Kinderarbeit
Es bedurfte langwieriger und entschlossener Kämpfe der Arbeiterbewegung
in den heutigen In-dustriestaaten, um Rechte zum Schutze von Kindern durchzusetzen,
Kinderarbeit zu verbieten und Löhne zu erstreiken, die der ganzen
Familie einen menschenwürdigen Lebensunterhalt ermöglichen.
Diese geschichtliche Erfahrung macht deutlich: Soziale und politische
Auseinandersetzungen stellten soziale und politische Verhältnisse
her, die es Kindern ermöglichten, Kinder zu sein. Ob die Menschen
in der Dritten Welt die Chance zur Entwicklung menschenwürdiger Le-bensbedingungen
erhalten, hängt nicht allein von der Veränderung der sozialen
und politischen Verhältnisse in den Staaten der Dritten Welt, sondern
auch von der Veränderung der weltwirt-schaftlichen Bedingungen ab,
die heute noch von den reichen Industrieländern zum eigenen Vor-teil
gesetzt werden. Die Parteinahme für die arbeitenden Kinder in der
Dritten Welt verlangt also entwicklungspolitisches Engagement, nicht nur
rührseliges Jammern über diese armen Kinder.
Also wird sich die Abschaffung der Kinderarbeit in den Ländern der Dritten Welt nicht in gleicher Weise vollziehen können, wie im Europa des 19. Jahrhunderts. Eine große Bedeutung spielte in Europa die Einführung moderner Technologien bei der Abschaffung der Kinderarbeit. Auch stehen den sich heute entwickelnden Ländern keine Kolonien zur Ausplünderung und zur Aufnahme landloser Bauern und Arbeitsloser zur Verfügung.
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Vielmehr
sind die armen Länder derart in die Waren- und Finanzströme
des Weltmarktes eingebunden, dass auch ein beträchtlicher Teil
der natürlichen und erwirtschafteten Reichtümer in das Ausland
abfließen. Unter dem Druck von Krisen waren viele Regierungen gezwungen,
bei den internationalen Finanzinstitutionen, Kredite aufzunehmen. Um ihre
Schulden zurückzuzahlen - bzw. nur annähernd die dafür
fälligen Zinsen und Zinseszinsen begleichen zu können - reduzierten
sie die Sozialausgaben, da sie gleichzeitig mit der Kreditaufnahme strikte
Strukturanpassungsprogramme akzeptieren mussten. Die Auswirkungen dieser
Politik wurden noch verschlimmert, weil in Folge von Privatisierungen
auch die Arbeitslosenrate stark anstieg.
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2. Die paradoxen "Argumente" der Arbeitgeber
Es gibt eine Reihe von Gründen, warum Arbeitgeber Kinderarbeitskräfte einstellen. Am häufigsten werden als Grund die geringeren Kosten und die einzigartigen Fertigkeiten von Kindern (das Argument der "flinken Finger") genannt. In der Praxis erweisen sich beide Gründe nicht nur als falsch, sondern es zeigt sich auch, dass es noch zahlreiche andere - und vielfach offensichtlichere - Gründe gibt, warum Kinder beschäftigt werden.
Was zunächst das Argument der "flinken Finger" betrifft
(dass beispielsweise nur Kinder mit kleinen Fingern in der Lage sind,
feingewebte Teppiche herzustellen), so kamen Studien der Internationalen
Arbeitsorganisation (IAO) zu dem Schluss, das dieses Argument vollkommen
unzutreffend sei. So werden etwa in Glasfabriken, bei der Gewinnung von
Schiefer, Kalk und Mosaiksteinen, in Schlossereien und bei der Edelstein-
und Diamantenpolitur die meisten von Kindern ausgeführten Arbeiten
gleichzeitig auch von Erwachsenen durchgeführt. Selbst bei der Herstellung
handgeknüpfter Teppiche, die große Geschicklichkeit verlangt,
haben Kinder kein größeres Talent als Erwachsene kleinere Knoten
zu knüpfen. Vielmehr wurde von der IAO bei ihrer Studie nachgewiesen,
dass die "besten" Teppiche von Erwachsenen hergestellt wurden.
Daher ist offensichtlich, dass die Erwachsenen den Platz der Kinder einnehmen
könnten - und das Argument der "flinken Finger" ist entkräftet.
Doch was hat es mit dem Argument der wirtschaftlichen Unverzichtbarkeit auf sich? Auch dieses ist kaum stichhaltiger. Dass arbeitende Kinder einen geringeren Lohn als Erwachsene erhalten, entspricht meist den Tatsachen. Die Lohndifferenzen und andere angebliche Vorteile der Kinder-arbeit sind jedoch nicht immer so klar und deutlich, wie behauptet wird. Die sich durch die Beschäftigung von Kindern ergebenden Einsparungen sind überraschend gering - weniger als 5 Prozent. In Anbetracht dieser Größenordnung könnten Käufer und Verkäufer leicht die zusätzlichen Kosten übernehmen, die durch eine ausschließliche Beschäftigung von Erwachsenen entstehen.
Da die Kinder nicht über einzigartige Fertigkeiten verfügen und oft nicht viel weniger als Erwachsene kosten, hat offenbar ein wichtiger Grund für die Einstellung von Kinderarbeitskräften nichts mit finanziellen Erwägungen zu tun. Am wichtigsten sind vermutlich folgende Umstände: Kinder sind sich ihrer Rechte weniger bewußt, sie sind gefügiger, führen Aufgaben bereitwillig aus, leisten monotone Arbeiten ohne sich zu beklagen und sie haben geringere Fehlzeiten.
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Entrüstet mögen viele Menschen bei uns den Kopf darüber schütteln, dass "verantwortungslose Eltern" ihre Kinder arbeiten lassen. Doch in der Regel sind die Familien aus reiner Not zu diesem Schritt dazu gezwungen. Zu wenig eigenes Land, zu niedrige Löhne sowie steigende Land- und Arbeitslosigkeit verschlechtern in vielen Teilen der Welt ihre Überlebenschancen. Wenn das Familieneinkommen nicht mehr ausreicht und keine Hilfe von anderen zu erwarten ist, sind Eltern genötigt, die Abhängigkeit ihrer Kinder zu nutzen. Und das, obgleich sich viele schämen, auf die Hilfe ihrer Kinder angewiesen zu sein. Aber oftmals kann nur durch ihre Mitarbeit und durch ihre Verdienste das Überleben ihrer Familie gesichert werden. Im allgemeinen tragen Kinder etwa 20 bis 25 Prozent zum Familieneinkommen bei. Da arme Haushalte naturgemäß den größten Teil ihres Einkommens für Lebensmittel aufwenden, wird deutlich, dass das von arbeitenden Kindern erzielte Einkommen für ihr Überleben von entscheidender Bedeutung ist.
Es kann jedoch nicht behauptet werden, dass Armut zwangsläufig zu Kinderarbeit führt. Die Situation stellt sich sehr unterschiedlich dar, und in vielen armen Haushalten dürfen oft einzelne Kinder die Schule besuchen. Im übrigen gibt es in armen Ländern Regionen, in denen Kinderarbeit weit verbreitet ist, während sie in anderen ebenso armen Regionen kaum vorkommt. So ist es dem indischen Bundesstaat Kerala beispielsweise trotz seiner Armut gelungen, Kinderarbeit praktisch völlig zu beseitigen.
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In den Städten spielt sich Kinderarbeit ganz überwiegend im informellen Sektor ab und ist damit staatlicher Kontrolle weitgehend entzogen. Da sind zum einen die "selbständigen Kinderarbeiter", die das Straßenbild der Städte der armen Länder prägen: Zeitungsverkäufer, Schuhputzer, Lastenträger, Laufburschen usw.. Auch Tätigkeiten, die als ungesetzlich eingestuft werden, können zu dieser Form von Kinderarbeit gezählt werden, also Betteln, Diebstahl, Prostitution. Oftmals kamen diese Familien mit ihren Kindern aus ländlichen Regionen in der Hoffnung, Arbeit zu finden.
Viele Kleinbauern sind gezwungen, ihre Existenz ganz aufzugeben, und sich als Lohn- oder Ak-kordarbeiter und Tagelöhner ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Da aber auch auf den Plantagen - vor allem bei sinkenden Weltmarktpreisen - die Bezahlung schlecht ist, erhöht sich hier ebenfalls die Zahl der arbeitenden Kinder, die nicht selten auch mit technischen Geräten und gefährlichen Giften umgehen müssen. "Mancherorts wird Erwachsenen nur eine Beschäftigung gewährt unter der Bedingung, dass ihre Kinder ebenso mithelfen", weiß die IAO. Und so wächst die Zahl der arbeitenden Kinder ............
"Wir
wissen heute, wie wichtig das Spielen für die Entwicklung von Phantasie
und Kreativität eines Menschen ist. Spielen bedeutet suchen,
tasten, experimentieren, gestalten, kombinieren, entscheiden und noch
vieles mehr. Ein Kind, das nicht spielen darf, wird in seiner geistigen
und emotionalen Entwicklung gehemmt. Wenn es durch viele Pflichten davon
abgehalten wird, seinen Spieldrang auszuleben, wird die Entfaltung seiner
Talente blockiert - unmerklich, aber unwiederbringlich."
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Diese Definition bedarf einer Reihe von Klärungen. Bis zu welchem Alter ist ein Kind noch ein Kind? Die Antwort darauf kann sich nach Region, Klasse, Kultur und auch nach Geschlecht unterscheiden.
Für das Mindestalter der Beschäftigung ist das erreichte 15. Lebensjahr weit verbreitet. Die IAO definiert Kinderarbeit als "Arbeit, die von Kindern unter 15 Jahren mehr oder weniger regelmäßig ausgeübt wird, um für sich oder die Familie zum Lebensunterhalt beizutragen".
Aber nicht immer muss Kinderarbeit schädlich sein. Die allmähliche Einbeziehung von Kindern in die Lebens- und Arbeitswelt der Erwachsenen kann auch Ausdruck einer verantwortungsbewußten Erziehung, ja, ein durchaus sinnvoller Lernprozeß sein. So lernen Kinder in vielen Gesellschaften traditionell durch ihre Mitarbeit notwendige und für ihr späteres Leben nützliche Fähigkeiten und Fertigkeiten.
In der alltäglichen Lebensrealität der Armen wird zwischen Kind und Erwachsenem weniger deutlich getrennt, als es zu unserem Bild gehört. Realität wird von Kindern unmittelbar erfahren. Weniger über Medien, mehr in der Gruppe mit anderen Kindern, Geschwistern vor allem, werden Fähigkeiten und Fertigkeiten erlernt, mit allen damit verbundenen Erfolgserlebnissen - weitgehend ohne direkte Aufsicht von Erwachsenen. Lernt ein Kind bei uns zum Beispiel erst im Kindergarten, mit einer ungefährlichen, eben kindgemäßen Schere umzugehen, so kann man in Lateinamerika durchaus einen Dreikäsehoch auf wackligen Beinen mit einer Machete in der Hand herumlaufen sehen, ohne dass gleich alles aufgeregt herbeistürzt. Schnelligkeit und Körperbeherrschung werden nicht in Sportzentren erworben, sondern im Alltag. Das Kind hat einen festen Platz innerhalb der Gemeinschaft, muss Verantwortung tragen und gewinnt Selbstvertrauen. Es weiß, was es kann - und die Erwachsenen wissen es auch.....
.....aber ist das nicht Idealisierung? Kindheit vollzieht sich als Spiegelbild der Gesellschaft. Kinder in ärmeren Ländern erfahren die Realität oft hart, ausbeuterisch und verzweifelt - und sie geht über ihre Kräfte hinaus. Darüber sollten auch in unseren Breiten jene Erwachsenen nachdenken, die noch immer den Glauben haben, Arbeit habe noch niemandem geschadet. Sie denken da vielleicht an die eigene Mithilfe in der Landwirtschaft, wie sie auch bei uns früher gang und gäbe war. Wo harte Arbeit jedoch das Leben von Kindern bestimmt, wo sie Schulbesuch überhaupt verhindert, wo ernste, dauerhafte gesundheitliche Schäden für die Heranwachsenden die Folge sind, da läßt sich nichts mehr verharmlosen.
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6. Wie viele Kinder verrichten Kinderarbeiten?
Das Amt für Statistik der IAO schätzt die Zahl der Kinder im Alter von 5 bis 14 Jahren, die in irgendeiner Form von Kinderarbeit betroffen sind, auf etwa 250 Millionen. Annähernd die Hälfte von ihnen (ca. 120 Millionen) verrichten diese Arbeit auf Vollzeitbasis, während der Rest teilweise die Schule besucht oder anderen nicht erwerbsmäßigen Tätigkeiten nachgeht.
Sie knüpfen Teppiche, stellen Papiertüten und Zündhölzer her, weil ihre Arbeitskraft billiger ist als die von Maschinen. Sie putzen Schuhe, schuften in Bergwerken, auf Plantagen oder in Wäschereien, wühlen auf Müllhalden nach verwertbaren Überresten.
Untersuchungen zufolge arbeiten mehr Jungen als Mädchen - durchschnittlich kommen drei Jungen auf zwei Mädchen. Statistische Umfragen beziehen jedoch die von Mädchen im Haushalt und dessen Umgebung verrichtete Arbeiten, einschließlich Heimarbeit, meist nicht mit ein. Tatsächlich arbeiten Mädchen auf Grund der Vollzeitbeschäftigung im Haushalt mehr Stunden pro Tag als Jungen. Dies ist ein wichtiger Grund dafür, dass Mädchen eine geringere schulische Ausbildung erhalten.
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7. Warum treten Kinder in die Arbeitswelt ein?
Kinder arbeiten gewöhnlich aus wirtschaftlichen Gründen, um geringe Familieneinkommen aufzubessern. Dies gilt insbesondere für Kinder in Haushalten, deren erwachsene Familienmitglieder arbeitslos oder unterbeschäftigt sind, oder deren Löhne unterhalb des Existenzminimums liegen. Auf vielen Plantagen z.B. basiert die Bezahlung auf Stück- oder Akkordlohn, was Familien häufig veranlaßt, ihre Kinder für die Erhöhung der Produktion und somit des Einkommens zu benutzen.
Kinderarbeit breitet sich aufgrund wirtschaftlicher Kräfte aus, die den Bedarf nach billigen Arbeitskräften anheizen. In einer deregulierten Weltwirtschaft herrscht sowohl zwischen kleinen als auch großen Unternehmen, ein Wettkampf nach unten. Sie alle versuchen, den Konkurrenzkampf durch die Reduzierung der Arbeitslöhne zu gewinnen. In diesem Klima verrichten erwachsene ArbeitnehmerInnen Tätigkeiten zu einem Lohn, bei dem sie und ihre Familien in Armut versinken, während viele Unternehmer Arbeit direkt an Kinder vergeben und so die Eltern der Arbeitslosigkeit überlassen. Die Arbeitskraft von Kindern ist begehrt, da sie gefügiger sind, leichter auszubeuten und weniger Lohnkosten verursachen. Armut und Unterentwicklung sind die entscheidenden Faktoren. Kinderarbeit trägt jedoch zum Armutkreislauf bei, da aus arbeitenden Kindern Erwachsene werden, deren einzige Perspektive in ungelernter und schlecht bezahlter Arbeit oder - noch immer - in Arbeitslosigkeit besteht.
Viele Kinder arbeiten, weil ihre Eltern es sich nicht leisten können, sie zur Schule zu schicken, oder weil sie auf Grund von Diskriminierung (Kaste, Religion oder Geschlecht) nicht zur Schule gehen dürfen. Zudem gibt es in entfernten ländlichen Gebieten oft keine Schulen, und wenn, verfügen sie nicht über ausreichende finanzielle Mittel und können so keine nennenswerte, qualitativ hochwertige Ausbildung vermitteln. Das Problem wird durch Budgetpräferenzen der Regierung verschärft, die häufig Ausgaben für das Militär den Ausgaben für Bildung und Soziales vorziehen.
Eines der schlimmsten Beispiele ist Pakistan, das fast 1/3 seines Staatshaushaltes für sein Militär ausgibt und weniger als 2 % in die Ausbildung seiner Kinder steckt.
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8. Wo tritt Kinderarbeit am ehesten auf?
Kinderarbeit herrscht vor allem in den Entwicklungsländern vor. In Asien, dem am dichtesten bevölkerten Gebiet der Welt, gibt es etwa 61 % (oder 153 Millionen) arbeitende Kinder, verglichen mit 32% in Afrika und 7% in Lateinamerika. In Afrika ist der Anteil von Kindern an der Erwerbsarbeit am höchsten mit schätzungsweise etwas über zwei von fünf Kindern (oder 41 %).
Kinderarbeit gibt es jedoch auch in den Industrienationen Westeuropas und Nordamerikas, einschließlich Italien, Portugal, Großbritannien und den USA. Offiziellen Statistiken in Italien zufolge beträgt die Anzahl der Kinder unter 14 Jahren, die irgendeiner Arbeit nachgehen, 300.000 bis 500.000. Das Problem tritt auch in vielen osteuropäischen Ländern, die den Übergang zur Marktwirtschaft erleben, zutage. Der Anteil der Kinderarbeit ist in ländlichen Gebieten höher als in Städten.
Aufgrund der rasanten Verstädterung in den meisten Entwicklungsländern
sowie in der zunehmenden Zahl junger Menschen, die in Klein- und Großstädte
ziehen, steigt jedoch dort der Anteil an Kinderarbeit. In ländlichen
Gebieten verrichten die meisten Kinder Arbeiten in der Landwirtschaft,
während die Kinder in den Städten im Handel und im Dienstleistungssektor
(insbesondere Hausarbeit) sowie in zunehmendem Maße in der verarbeitenden
Industrie, einschließlich der Produktion, für den Export tätig
sind.
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Nach Angaben der IAO findet sich mindestens die Hälfte der Kinderarbeiter in Südasien (u.a. in Indien, Bangladesch, Pakistan, Nepal und Sri Lanka) und in Südostasien (u.a. in den Philippinen, Malaysia, Thailand, Indonesien, Kambodscha und Vietnam). Kinderarbeit stellt auch in Ländern wie Birma und China ein ernstes Problem dar, aber die dortigen Regierungen machen es praktisch unmöglich, verlässliche Zahlen darüber zu bekommen. |
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Offizielle Zahlen gehen von 5,7 Millionen Kindern zwischen 10-14 Jahren aus, die arbeiten, andere Quellen schätzen die Zahl auf bis zu 15 Millionen. Viele sind in der Textilindustrie zu finden, die ein wichtiger Exportzweig ist. Aber sie arbeiten auch in Bäckereien, im Gaststätten- und Hotelgewerbe, im Transportsektor, in der Zigarettenherstellung, in Fabriken und kleinen Werkstätten, auf dem Bau, in der fischverarbeitenden Industrie und in vielen informellen und unregulierten Bereichen.
Textilindustrie
Eine IBFG-Studie über eine Bekleidungsfabrik in der Hauptstadt Dhaka fand heraus:
"Die Fabrik beschäftigt 375 Personen. Knapp 25 % davon,
d.h. 75 Beschäftigte, sind Kinder, die meisten davon Mädchen
im Alter zwischen 10 und 14 Jahren. Ihr Lohn wird geheimgehalten... Die
Arbeitsbedingungen entsprechen nicht der Norm, die Platzverhältnisse
sind beengt. Ventilation und Lichtverhältnisse sind
schlecht.
Die Kinder wollten nicht mit der Untersuchungsgruppe sprechen. Wenn sie
trotzdem dazu gedrängt wurden, klagten sie über angestrengte
Augen und die Drohungen ihrer Aufseher, dass sie ihre Arbeit verlieren
würden... Etwa 12 bis 15 % der Beschäftigten kamen aus der gleichen
Familie. Oft sind die Eltern wegen ihrer Armut dazu gezwungen, zusammen
mit ihren Kindern in der gleichen Fabrik zu arbeiten. So tragen diese
zum dürftigen Familieneinkommen bei und können gleichzeitig
von ihnen beaufsichtigt werden. Kinder und Erwachsene arbeiten normalerweise
10-14 Stunden. Aufseher bestrafen regelmäßig jedes "Vergehen",
indem sie den Tageslohn kürzen. Kinder bekommen einen niedrigeren
Lohn als Erwachsene und manchmal sogar weniger als den, weil sie als sogenannte
"Lehrlinge" erst noch "angelernt" werden müssen."
Bauindustrie
Die Kinder arbeiten an großen Steinhaufen, aus denen sie pro Woche 7,5 - 9 qm Steine zurechtbrechen müssen, was pro Tag einen Quadratmeter Steine macht. Subverträge laufen mindestens eine Woche, der Verdienst pro Tag beträgt 40 Takas. Von diesem Lohn müssen bezahlt werden: ein Hammer für ungefähr 80-85 Takas, ein Schirm gegen die Sonne, eine Kanne für Trinkwasser und Gummihandschuhe, um die Hände zu schützen. Der Arbeitstag beginnt morgens um 7 Uhr und kann bis abends um 10 Uhr dauern, vorausgesetzt die Steinbrecher, die auf Akkordbasis arbeiten, haben die Kraft dazu. Augenverletzungen durch umherfliegende Steinsplitter kommen häufig vor. Eine fachgerechte Behandlung dieser Verletzungen existiert, abgesehen von einer mangelhaften ersten Hilfe, nicht.
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Es wird geschätzt, dass 1/4 aller arbeitenden Kinder in Indien zu finden sind. In den letzten 25 Jahren stieg ihre Zahl den offiziellen Angaben zufolge von 10,7 auf 17 Millionen, die wahren Zahlen dürften aber darüber liegen. Im Gegensatz zu den offiziellen Statistiken sprechen unabhängige Quellen sogar von einer Zahl zwischen 44 und 100 Millionen. Die meisten dieser Kinder sind in der Teppich- und Feuerwerkskörperindustrie, in Zündholzfabriken, in der Messinggeschirrherstellung, in der Glas- und Schuhindustrie und in der Seidenproduktion tätig.
Teppichindustrie
"Wenn
sich Kinder während des Teppichwebens in die Finger schneiden, streuen
die Webereibe-sitzer Schwefel, den sie von Zündhölzern abkratzen,
in die Wunden. Den zünden sie dann an, um die Blutung zu stillen...
Die Kinder durchleiden Qualen, sie werden geschlagen und sogar gefoltert, wenn sie versuchen zu fliehen. Manche Berichte sprechen von Kindern, die zu Tode geprügelt wurden, weil sie Fehler machten."
Ein Gespräch mit Kindern in einer Teppichfabrik in Radschastan
enthüllte den primitiven und grausamen Umgang mit Unfällen:
Blutige Finger werden nicht aus medizinischen Gründen ausgebrannt,
sondern um zu verhindern, dass Blut auf die Teppiche tropft.
Feuerwerkskörper
Etwa 45.000 bis 50.000 Kinder arbeiten in der Feuerwerks- und Zündholzindustrie in der Gegend um die Stadt Sivkasi in Tamilnadu herum. Einige fangen schon im Alter von fünf Jahren oder sogar schon früher mit der Arbeit an. Die meisten Raketen, Feuerwerkskörper usw. werden ausschließlich für einen Tag produziert: Diwali, das Fest der Lichter.
In einem IBFG Bericht heißt es dazu:
"Die Kinder werden am Morgen hereingebracht, nachdem sie schon um 3 Uhr früh geweckt wurden. Gegen 10 Uhr abends dürfen sie erst nach Hause. Die Busse, die sie zurückbringen, sind überfüllt, und viele Kinder müssen während der zwei- oder dreistündigen Fahrt stehen.
Selbst wenn es Kontrollen durch Arbeitsinspektoren gibt, sind diese in
der Regel unzureichend. In den letzten 13 Jahren hat es mindestens drei
schwere Unfälle gegeben, bei denen 92 Kinder starben - weitaus mehr
wurden verletzt und verstümmelt. Die örtlichen Arbeitgeber die
behaupten, die Geschichten über Kinderarbeit seien Legenden, die
von den Medien erfunden wurden, zeigen sich uneinsichtig. Sie hätten
- im Gegenteil - mit ihren Fabriken einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung
Tamilnadus geleistet. Zahlen von Krankenhäusern in dieser Region
zeigen jedoch, dass es dort viele Tuberkulose-Fälle gibt und Atemwegs-
und Hauterkrankungen häufig auftreten.
Mehr als ein Drittel der 10-15jährigen erreichen in ihrem Wachstum nicht die für Zehnjährige normale Größe. Der Anstieg der Kinderarbeit schlägt sich auch in einer höheren Arbeitslosigkeit unter den Erwachsenen nieder. So sind in den Zündholzfabriken in Tamilnadu schon Siebenjährige beschäftigt, die aus Familien kommen, in denen der Vater arbeitslos ist. Jüngst hat es offizielle Versuche gegeben, die Kinderarbeit in der Feuerwerkskörperindustrie und der Zündholzherstellung abzuschaffen. Aber ein starker politischer Wille ist notwendig, um dieses Ziel zu erreichen."
Glasindustrie
Auch die Glasindustrie spielt bei der Kinderarbeit eine wichtige Rolle. Beispielsweise arbeiten in den Glashütten von Firozabad im Distrikt von Uttar Pradesh tausende von Kindern zwischen sechs und fünfzehn Jahren. Sie produzieren dort unter Bedingungen, die ein Bericht als "Dantes Inferno" bezeichnet, Arm- und Fußreifen und blasen Glas. Die Temperaturen an den Schmelzöfen, an den denen die Kinder arbeiten, erreichen 700°C:
"Die Luft ist erfüllt von Hitze, Chemikalienausdünstungen, Ruß und Kohlenstaub, der Boden ist bedeckt mit Glasscherben.
Kinder zwischen 7 und 12 Jahren halten Eisenrohre, an deren Spitze
sich brennende Glasklumpen befinden. Sie halten die Rohre so, dass das
brennende Glas nur knapp 60 Zentimeter von ihrem Körper entfernt
glüht, das nächste Kind steht gerade 30 Zentimeter entfernt.
Es gibt kaum Platz, und doch sind die Kinder mit dem glühenden Material
in dem überfüllten Raum ständig in Bewegung.
Die Kinder sind förmlich eingeklemmt zwischen roter heißer
Glasmasse links und rechts, unter ihren Füßen liegt ein Teppich
aus zerbrochenem Glas.
Gearbeitet wird in drei Schichten , von 8-16, 16-24 und 24-8 Uhr.
Jede Schicht umfasst 100 bis 150 Männer, Frauen und Kinder. Es gibt
nicht einmal Pausen zum Mittag- oder Abendessen."
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Schätzungsweise 3 Millionen Kinder arbeiten in Nepal. Die meisten sind entweder in der Landwirtschaft oder in der Teppichindustrie beschäftigt, die für Nepals Außenhandel sehr wichtig ist. Viele von diesen Kindern sind Leibeigene:
"Der vierzehnjährige Asharam Chaudhary aus Shreepur Majhgaon (Kailali) im äußersten Westen Nepals ist ein Leibeigener. Er weiß nicht, dass sein Vater 700 nepalesische Rupien (etwa 13 US-$) von einem Grundbesitzer geliehen hat. Der behauptet nun, dass die Schuld mittlerweile 14.000 Nrs (knapp 300 US-$) betrage."
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Es gibt schätzungsweise 10 Millionen arbeitende Kinder in Pakistan, aber wie üblich ist das keine absolut verlässliche Zahl. Ein Bericht des US-amerikanischen Arbeitsministeriums stellte fest, "dass es keinen Zweifel daran geben kann, dass Kinderarbeit in Pakistan massenhaft vorkommt. Insgesamt dürften zwischen 2 und 19 Millionen Kinder davon betroffen sein." Sie arbeiten in Ziegelbrennereien, in der Landwirtschaft, in Teppichmanufakturen, Restaurants, in Möbelfabriken, in der Sportartikelherstellung und stellen chirurgische Instrumente her. Sie arbeiten auch als Hausdiener, wobei sie oft körperlich und geistig ausgebeutet werden, sind getrennt von ihren Eltern und werden oft regelrecht wie Gefangene behandelt. Tausende Kinder wurden außerhalb des Landes gebracht, um in den Golfstaaten als Kameljockeys zu arbeiten.
Ziegelbrennereien
1995 wurde die Situation von 40 Kindern untersucht, die in Ziegelbrennereien arbeiteten. Die meisten von ihnen waren Leibeigene, die Schulden ihrer Eltern abarbeiten mussten. Das jüngste unter ihnen war ein fünf Jahre altes Mädchen, Safia, die zu diesem Zeitpunkt schon zwei Jahre in der Brennerei war. Bei allen war die Schuld, die die Kinder durch ihre Arbeit abtragen mussten, größer als zu Beginn der Arbeit und in einigen Fällen um 50 % angestiegen:
"Nadja
Bilu ist sechs Jahre. Sie fing vor einem Jahr an zu arbeiten und hilft
dabei, den Lehm für die Ziegel zu bereiten. Dazu gehört auch
das Wasserholen am nahen Brunnen. Sie lädt die Ziegel auch auf die
Esel bzw. entlädt die Tiere. Sie hat noch sechs Geschwister und muss
auch noch nach den ganz Kleinen schauen...
Sie hat niemals eine Schule besucht, weil ihre Eltern nicht in der Lage sind, ihr eine Schuluniform zu kaufen ...
Sie arbeitet durchschnittlich 10 Stunden am Tag und verdient 300 Rupien pro Monat. Letztes Jahr betrug die "ererbte" Schuld, die sie abzu-tragen hatte, 14.000 Rupien, dieses Jahr sind es schon 16.000."
Schuldknechtschaft wird durch die pakistanische Verfassung verboten.
Auf dieser Grundlage wurde eine Gesetz verabschiedet, aber nichts wurde
getan, um es auch umzusetzen. Großgrundbesitzer und Fabrikanten
ignorieren offen das Gesetz. Ein weiteres Problem ist die traditionelle
Akzeptanz von Kinderarbeit. So verabschiedete die Regierung z.B. ein Gesetz,
um in einigen Gebieten die Schulpflicht einzuführen, aber auch das
blieb bislang nur Papier. Nur 26,2 % der Bevölkerung Pakistans können
nach Angaben der US-Regierung lesen und schreiben.
Teppichindustrie
Wie auch in Nepal und Indien, so ist auch in Pakistan die Teppichindustrie ein wichtiger Exportsektor mit einem Jahresgewinn von knapp 2 Milliarden US-Dollar. Im April 1994 schätzte die Südasiatische Koalition gegen Kindersklaverei die Zahl der in den Webereien und Knüpfereien arbeitenden Kinder auf 500.000, ein UNICEF-Bericht ging sogar von einer Zahl von knapp 1,2 Millionen aus. Die Arbeitsbedingungen für die Kinder sind fürchterlich. Fabriken, die weniger als 10 Beschäftigte haben, fallen nicht unter die Arbeitsgesetzgebung.
Die Menschenrechtskommission Pakistans hat festgestellt, dass die Kinderarbeit in ländlichen Gegenden weiter verbreitet ist als in den Städten. In den Dörfern sind die Kinderarbeiter häufiger noch nicht einmal acht Jahre alt. UNICEF beschreibt die Arbeit als mühsam und ungesund: Die Kinder sitzen lang in verkrampfter Haltung, atmen Wollstaub ein, überanstrengen auf Grund schlechter Beleuchtung ihre Augen und arbeiten mit chemischen Farbstoffen. Ferner kommt es zu Verformungen des Rückens.
Die Folgen dieser Bedingungen sind häufig ernste Erkrankungen im Erwachsenenalter. Es gibt Fälle, in denen Kinder an Webstühle angekettet wurden, um ihre Flucht zu verhindern. Kinder wurden vergewaltigt oder auf andere Weise körperlich missbraucht. UNICEF schloss aus seinen Nachforschungen, dass viele Familien die Arbeit ihrer Kinder gegen die Erlassung ihrer Schuld verpfänden:
"Anwar beispielsweise begann mit sieben Jahren, in einem Dorf der pakistanischen Provinz Sidh zu arbeiten. Er wurde niemals gefragt, ob er arbeiten wolle. Als wir ihn letztes Jahr im November befragten, knotete er 12 bis 16 Stunden pro Tag Teppiche, sechs bis sieben Tage in der Woche. Mehrmals sagte man ihm, dass er weiterarbeiten müsse, um eine angebliche Schuld seiner Familie zu bezahlen. Niemals sagte man ihm, wer aus seiner Familie das Geld geliehen hatte und wieviel. Jedesmal, wenn er einen Fehler machte, wurde zur Strafe die Schuld erhöht. Als er einmal angeblich zu langsam arbeitete, wurde er mit einem Stock geschlagen. Eines Tages, nachdem er besonders heftig geschlagen wurde, floh er, um bald darauf wieder von der Polizei eingefangen und zurückgebracht zu werden."
Pakistans Teppichindustrie geriet nach dem Tod des 12jährigen Iqbal Masih verstärkt in das Fadenkreuz der internationalen Kritik. Iqbal Masih war ein leibeigener Teppichweber, der sich für die Befreiung seiner Leidgenossen einsetzte und deshalb kaltblütig umgebracht wurde.
Zahlen der IAO zeigen, dass, würde man die Kinder an den
Webstühlen durch Erwachsene ersetzen, dies nur zu einem kleinen Anstieg
der Produktionskosten führen würde. Kaum der Rede wert wären
die Auswirkungen auf die Zahl der verkauften Teppiche in den Ländern,
die sie importieren.
Kameljockeys
Kinder werden von Menschenhändlern in die Golfstaaten gebracht, um dort als Jockeys bei Kamelrennen zu reiten, wie auch die pakistanische Presse berichtete:
"Normalerweise werden Jungen im Alter von 4 bis 9 Jahren an den Kamelhälsen angebunden und unter lose hängenden Stoffbahnen versteckt. Wenn die Rennen starten, schreien die Kinder vor Angst - je lauter sie schreien, um so schneller laufen die Kamele. Abgesehen von dem Unterhaltungswert sind die Gewinnchancen um so größer, je kleiner die Jungen sind. Gewöhnlich kehren die jungen im Alter von 10 Jahren nach Pakistan zurück. Aber in vielen Fällen sterben sie oder arbeiten für den Rest ihres Lebens als Sklaven im Mittleren Osten. Die Agenten übernehmen keinerlei Verantwortung für ihren Tod.
Als sie einmal von der Polizei zur Rede gestellt wurden, gab eine Bande
von Menschenhändlern an, sie seien die Väter der Kinder, die
sie aus Pakistan herausbringen wollten, aber diese Behauptung erwies sich
als falsch. Manche der Jungen, die als Jockeys arbeiten, sind gerade zwei
Jahre alt. Schlimme Unfälle kamen vor, die die Kamelbesitzer veranlaßten,
die Kinder auf den Kamelrücken "festzukleben". Sie erhalten
mit Absicht zu wenig zu essen, um die Last, die das Kamel tragen muss,
zu verringern."
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Kinderarbeit ist ein ernstes Problem auf den Philippinen. Offizielle Quellen sprechen von 777.000 Kindern zwischen 10 und 14 Jahren, für jüngere Kinder liegen keine zuverlässigen Angaben vor. Tatsächlich dürfte es zwischen 5 und 5,7 Millionen Kinder geben, die die eine oder andere Arbeit verrichten. Sie sind in der Textilindustrie beschäftigt, in der Landwirtschaft, in der Möbelindustrie, in den Goldminen, im Lebensmittelsektor, in der Schuhindustrie, in der Kunststoffherstellung, in der Plastikbehälterproduktion und in der Fischindustrie. Weit verbreitet ist auch die Kinderprostitution.
Bekleidungsindustrie
Die meisten der Produkte, die ein multinationaler Damenbekleidungshersteller auf den Philippinen produzieren lässt, vor allem Unterwäsche, werden nach Angaben des IBFG in Europa verkauft. Das Unternehmen hat sich wegen der niedrigen Löhne auf den Philippinen niedergelassen und profitiert indirekt auch von der Kinderarbeit, weil es ohne lästiges Nachfragen Aufträge an örtliche Firmen weitergeben kann, die Kinder beschäftigen. Manche dieser Kinder sind erst vier Jahre alt, die sowohl zu Hause als auch in den Fabriken direkt arbeiten. Von diesen Kindern sind die meisten Mädchen, die besonders gern angestellt werden, weil sie extrem arm sind, fügsam und "geschickte Finger" haben. Sie erhalten Akkordlohn und bekommen viel weniger pro Stück, als die Subunternehmer, bei denen sie beschäftigt sind, von ihren Auftraggebern erhalten.
Ein Kind, das selbst nur Fetzen von Stoff am Leib trägt, erhält für ein Teil 80 Centavos. Das multinationale Unternehmen verkauft es an die Endverbraucherin für 150 Pesos. Das macht einen Unterschied von mehr als 1000 % aus.
Fischverarbeitende Industrie
Auch in der fischverarbeitenden Industrie werden Kinder ausgebeutet, wie in der philippinischen Presse berichtet wurde. 1993 fand man eine Gruppe von Kindern, die in einer Sardinenfabrik eingesperrt waren. Zunächst hatte man ihnen Stellen als Haushaltsangestellte oder im Verkauf versprochen. Sie durften das Gebäude ein ganzes Jahr lang nicht verlassen und ihren Eltern auch nicht schreiben, wo sie sich aufhielten:
"Als die Kinder bei der Fabrik ankamen, wurde ihnen vom Fabrikbesitzer gesagt, sie stünden in seiner Schuld, weil er die Reisekosten für sie übernommen, sie während der Anreise mit Essen versorgt und dem Arbeitsvermittler eine Gebühr gezahlt habe. ....
Von den 23 Pesos, die sie pro Tag erhielten, wurden jeweils 25 Pesos(!) "abgezogen"...
So stieg ihre Schuld stetig an. Die Kin-der wurden gezwungen, um 3 Uhr morgens mit der Arbeit zu beginnen und bis in den Abend hinein Sardinenstücke in Dosen zu füllen. Während der Arbeit wurden sie ständig ermahnt, wenn sie nicht schnell genug waren. Ihre Finger und Hände wiesen oft Risse auf, weil sie sich an den scharfen Dosenkanten schnitten. Ihre Haut war gelb und litt unter der ständigen Einwirkung von Wasser und Chemikalien."
Prostitution
Die Kinderprostitution hat auf den Philippinen überhand genommen. Es gibt Familien, die es "von ganzem Herzen begrüßen" dass ihre eigenen Kinder sich prostituieren, weil sie entweder zu arm sind, oder häufig auch, um sich Konsumgüter leisten zu können. Oft werden die Kinder zunächst eingestellt, um als Kellnerinnen oder als "Empfangsdamen" zu arbeiten. Erst später zwingt man sie zur Prostitution. In einem Bericht heißt es:
"Besonders
dort, wo es eine große Nachfrage von Männern nach der Ware
Sex gibt, kann der Druck auf junge Mädchen oder Jungen, sich als
Prostituierte zu verdingen, ungeheuer groß sein.
Kinder, die als Prostituierte arbeiten, haben traumatisierende Erlebnisse hinter sich, werden belästigt und sind Opfer von anderen Gewalttätigkeiten. Sie werden vergewaltigt, müssen sich erniedrigen und werden von ihren Kunden zu sadistischen Praktiken gezwungen. In einigen Fällen wurden Kinder getötet."
Die philippinische Regierung hat wiederholt ihren festen Willen bekundet, Kinderarbeit zu beenden und jede illegale Beschäftigung von Kindern als kriminelles Delikt zu verfolgen. Seit 1993 hat sie zusammen mit Nichtregierungsorganisationen auch eine Reihe von Rettungsaktionen durchgeführt, bei denen 59 illegal beschäftigte Kinder befreit werden konnten. Das war allerdings nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, weil es nach wie vor schwierig ist, Gesetze gegen Kinder-arbeit durchzusetzen, da es an Arbeitsinspektoren fehlt.
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Was Thailand angeht, so ist nur sicher, dass es dort eine große Zahl von Kindern gibt, die arbeiten müssen. Sie arbeiten in den exportorientierten Industrien des Landes, vor allem in der Bekleidungsindustrie, in der Seefischverarbeitung, in der Ledertaschenproduktion, in der Produktion von Holz- und Rattanmöbeln und in den edelsteinverarbeitenden Betrieben. Die Zahl der Kinder, die als Prostituierte arbeiten, wird von der thailändischen Frauenorganisation Voices of Thai Women mit 20.000 bis 300.000 angegeben. Verschärft wird das Problem dadurch, dass ein Netzwerk von Mittelsmännern und Agenturen hinter der Kinderarbeit und der Kinderprostitution in Bangkok und in anderen Regionen Thailands steht.
Pappbecherherstellung
Die Bedingungen, unter denen die Kinder in den vielen illegalen Fabriken arbeiten, sind überall gleich schlecht. 1991 war das thailändische Fernsehen bei einer Razzia in einer Pappbecherfabrik in Bangkok dabei:
"Die Umstände, unter denen man die Kinder vorfand, waren fürchterlich. Sie waren dreckig, die Haut an ihren Händen war durch den dauernden Kontakt mit Klebstoff verbrannt, viele hatten wegen der langen Arbeitszeiten, der schlechten Körperhaltung während der Arbeit und Unterernährung deformierte Beine.
...Normalerweise arbeiteten die Kinder 10-15 Stunden pro Tag und berichteten über die alarmierende Grausamkeit, die dort herrschte. Schläge durch den Fabrikbesitzer und seine Frau waren an der Tagesordnung. Die Kinder erzählten, dass sie oft gezwungen wurden, andere Kinder zu schlagen. Manche seien unter den Schlägen ohnmächtig geworden....
Als die Rettungsmannschaft in die Fabrik eindrang und die Kinder aufforderte, die Arbeit zu beenden, schienen sie verängstigt und fuhren fort, Pappbecher herzustellen, ohne die Augen aufzuschlagen ... Nachdem man sie davon überzeugt hatte, dass man gekommen sei, um sie zu befreien, weinten die Kinder.. Vier von ihnen hatten so dünne und deformierte Beine, dass sie aus eigener Kraft nicht mehr hinausgehen konnten."
Spielzeugindustrie
"Am 10. Mai 1993 brach der wahrscheinlich bisher schlimmste Fabrikbrand der Welt in der Spielzeugfabrik Kader in der Provinz Nakhon Pathom nahe von Bangkok aus. 174 Frauen und Mädchen, darunter viele, die gerade 13 Jahre alt waren, kamen dabei zu Tode. Die Fabrik stellte Spielzeug für den US-amerikanischen und den europäischen Markt her und gehört dem größten Spielzeughersteller Asiens, der 10.000 Arbeitnehmerinnen in acht Ländern beschäftigt. Seine Kundenkartei ist ein "Who's who" der internationalen Spielzeugwelt.
Die Arbeitsbedingungen in derartigen Fabriken sind erschreckend, Sicherheitsstandards und Feuerschutzbestimmungen werden völlig ignoriert. Bei den Menschen, die dort arbeiten, handelt es sich um Migranten, die über ihre Rechte nicht informiert sind, wie Sklaven behandelt und oft in den Fabriken eingesperrt werden. Frauen werden oft auf herabwürdigende Weise durchsucht. Der Arbeitsdruck ist besonders groß, wenn Aufträge hereinkommen, die schnell erledigt werden müssen. Dann dürfen sie nicht einmal zur Toilette gehen."
Prostitution
Thailand ist für seine Sexindustrie international bekannt. Der Sextourismus bringt Tausende ausländischer Männer ins Land. Während sie sich vergnügen, werden die Kinder misshandelt und manchmal auch getötet, wie das Beispiel der jungen Chinesin zeigte, die zur Prostitution gezwungen und in einem Bordell in Chiang Mai umgebracht wurde. Aids stellt eine andere Gefahr dar. In einem Heim in Bangkok, in dem ehemalige Kinderprostituierte leben, ist die Hälfte der 14 bis 18jährigen Mädchen HIV positiv. Es gibt Kinder, die im schlimmsten Fall in Bordellen gefangengehalten werden. In Ranong, wo es viele Kinderprostituierte gibt, sind manche Bordelle von elektrisch geladenen Zäunen umgeben, bewaffnete Wachen halten zusätzlich Wache.
Ein Mädchen schrieb ein Gedicht, das die Gefühle der Kinder, die misshandelt und ausgebeutet werden, wiederzugeben scheint: "Ich bin keine Ware aus irgendeinem Geschäft, die nicht schreien darf, wenn sie verkauft wird. Ich bin ein Kind, das am liebsten schreien will bis zum Ende seines Lebens, wenn es verkauft wird, während mein Verkäufer niemals eine Träne vergießt. Auch ich habe ein Recht zu leben, versteht mich doch bitte."
Einige Länder, darunter Australien, Belgien, Frankreich, Deutschland, Norwegen, die Vereinigten Staaten, Neuseeland und Schweden, haben mittlerweile Gesetze verabschiedet, nach denen ihre Bürger vor Gericht gestellt werden können, wenn sie Kinder im Ausland sexuell missbrauchen. Andere Länder haben das bislang abgelehnt.
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Nach einer Untersuchung des brasilianischen Instituts für
Geografie und Statistik arbeiten |
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Schuhe
Schuhe sind ein Exportschlager Brasiliens. 1993 importierten allein die USA Schuhe im Wert von 1,4 Milliarden US-$. Die Schuhindustrie von Franca (Sao Paulo) hängt sehr stark von kleinen Zulieferfirmen ab. Laut einer Studie des Gewerkschaftsbundes Central Unica dos Trabalhadores arbeiten 7.000 Menschen in diesem informellen Sektor, 1.300 davon sind Kinder unter 14 Jahren.
Der Arbeitstag der Kinder in den kleinen Unternehmen, den sogenannten Bancas, unterscheidet sich in nichts von dem in Fabriken. Die Arbeitsstätten befinden sich zum Teil in Garagen, sind oft schlecht belüftet und haben ungenügende Lichtverhältnisse. Türen und Fenster dürfen nur selten geöffnet werden, weil die Kinder illegal beschäftigt sind. Keines von ihnen hat je etwas von "Arbeitsbedingungen" gehört, Arbeits- und Sozialnormen sind sowohl ihnen als auch ihren Eltern völlig unbekannt. Von wenigen Ausnahmen abgesehen sind die meisten nirgendwo registriert, nicht versichert und genießen keinerlei Schutz.
Tee
Kinder ab sieben Jahren wurden auf den Teeplantagen in der Region Vale do Ribiera befragt. Sie werden nicht direkt von den Grundbesitzern oder den Besitzern der teeverarbeitenden Betriebe angestellt, obgleich viele Familien Verträge mit einer landwirtschaftlichen Produktionsgesellschaft haben. Ganze Familien, die Kinder gehören also zum "Paket", werden angeheuert, um die Teebüsche zu beschneiden oder andere Arbeiten auszuführen. Sie werden bezahlt nach der Menge des Tees, den sie ernten und abliefern. In der Regel wird das verdiente Geld für Lebensmittel ausgegeben, seltener für Kleidung oder anderes.
"Die Teebüsche sind nicht sehr hoch, und weil das ewige Bücken für die Erwachsenen zu anstrengend ist, greift man gern auf Kinder zurück, denen die Arbeit leichter fällt. Zu den Routinearbeiten gehört das Entblättern der Teepflanzen, eine Arbeit, die Kinder durch bloßes Zuschauen erlernen. Sie sagen, sie könnten pausieren, wenn sie müde seien. Von den Pflanzen haben sie Striemen an Armen und Beinen. Sie tragen in der Regel nur kurze Hosen, ärmellose Hemden oder T-Shirts und Gummisandalen, manche gehen barfuss. Ständig sind sie gefährdet durch Schlangen, Eidechsen und Bienen, eine weitere Gefahr bilden die Werkzeuge und die Maschinen, z.B. Motorsägen, die eingesetzt werden. Die Abgase mancher Maschinen und Chemikalien sind weitere Gefahren, denen sie ausgesetzt sind."
Holzkohle
Es gibt haarsträubende Berichte über die Arbeitsbedingungen
von Kindern in der Holzkohleindustrie. Holzkohle findet Verwendung
in der Verhüttung. Artikel in der brasilianischen Presse und ein
Bericht der
Menschenrechtsorganisation
Anti-Slavery International beschreiben detailliert, was die Kinder dort
zu tun haben: Sie kehren die Holzkohle zusammen, füllen sie in Säcke
und bringen sie schließlich zu den Öfen. Viele von ihnen müssen
Schulden abarbeiten oder werden zur Arbeit gezwungen. Der Vizepräsident
des brasilianischen Gewerkschafts-bundes CUT stellte dazu kürzlich
fest:
"Es hat Fälle gegeben, in denen Menschen ermordet wurden,
weil sie fliehen wollten - 15 Leichen wurden beispielsweise von der Militärpolizei
auf einem geheimen Friedhof entdeckt... diejenigen, die in diesem Bereich
arbeiten, müssen mangelhafte Lebensmittel zu überhöhten
Preisen in den Geschäften des Unternehmens kaufen und kommen niemals
von ihrem Schuldenberg herunter. Es beginnt mit dem Vater, der sich in
einem Vertrag verpflichten muss, seine Schulden abzutragen, und geht weiter
mit den Kindern, die ebenfalls in die Fronarbeit hineingezwungen werden.
Bis vor kurzem bestritten die Behörden diese Situation. Wenn Arbeitsinspektoren
in die Fabriken kamen, erhielten sie etwas zugesteckt, und die Kinder
wurden versteckt."
Anti-Slavery International schreibt: "Die Hüttenunternehmen
selbst halten Distanz zu diesen Menschen, ihre Ansprechpartner sind Subunternehmer,
die die Drecksarbeit machen."
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Millionen von Menschen leben unterhalb der Armutsgrenze und bilden ein willkommenes Arbeitskräftereservoir für Arbeitgeber, die Kostenvorteile um jeden Preis suchen. Ausbeutung ist um so leichter, je weniger Arbeits- und Sozialnormen es gibt.
Die chilenische Regierung hat dem Thema Kinderarbeit immer noch nicht die Bedeutung beigemessen, die es verdient. Zwar ist Kinderarbeit durch eine entsprechende Gesetzgebung untersagt, aber es gibt weder Instrumente zur Überwachung noch zur Durchsetzung dieses Verbots. Kinder arbeiten sowohl in der Landwirtschaft als auch im Handel.
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Eine jüngere Untersuchung der kolumbianischen Regierung kommt zu dem Ergebnis, dass etwa 800.000 Kinder im Alter von 12 bis 17 Jahren arbeiten. Andere Quellen gehen von bis zu 3 Millionen Kindern aus, während eine kolumbianische Zeitung sogar von 4 Millionen Kindern spricht. Im Durchschnitt sind diese Kinder 12 Jahre alt.
Sie arbeiten auf Blumenfeldern, in den Kohleminen, in Ledergerbereien, Ziegelbrennereien oder leben unter äußerst schlechten Bedingungen auf der Straße als sogenannte Niños de Calle. Mehr als 90 % der Straßenkinder versuchen, auf die eine oder andere Weise zu überleben. Bei einer Befragung gaben 63,8 % der Kinder an zu arbeiten, die meisten davon als fliegende Händler. 16,9 % nannten "Stehlen" als Hauptein-kommensquelle.
Seit den fünfziger Jahren verfolgt Kolumbien eine aggressive Modernisierungspolitik, indem es sich von einem protektionistischen in einen freien Markt umwandelt. Die Volkswirtschaft wurde für internationales Kapital geöffnet, weitreichende Strukturanpassungsprogramme und eine intensive Privatisierungskampagne waren Teil dieser neuen Politik. Heute gehören mindestens 50 % der kolumbianischen Wirtschaft zum informellen und unregulierten Sektor, der zum großen Teil Frauen und Kinder beschäftigt, die nur sehr geringe Löhne erhalten. Das veranlasste einen Kommentator zu der Bemerkung, dass es zwar der Wirtschaft gut gehe, dem Land dagegen schlecht.
Kohlebergbau
Kohle ist eines der wichtigsten Ausfuhrgüter des Landes. Obwohl es im Kohlebergbau Kolumbiens wichtige technologische Entwicklungen gegeben hat, ist gerade diese Industrie immer noch geprägt von kleinen, informellen Betrieben mit nur geringen Fördermengen. Eine kürzlich veröffentlichte Studie über die Kinderarbeit in den kleineren Kohleminen im Nordwesten des Landes zeigt, dass sogar schon sechsjährige mit ihren Familien in den Minen arbeiten, wo sie Wasser aus den Stollen herausbefördern, die mit Kohle beladenen Maultiere herausführen und Säcke mit Kohlestücken füllen. Ältere Kinder müssen schwerere Arbeiten erledigen und beispielsweise mit Preßlufthammern das Gestein losbrechen.
Viele Gefahren drohen in den Stollen: Erdrutsche, Überflutungen, Feuer, Explosionen, Gasunglücke. Die Kinder leiden unter Überanstrengung, Leistenbrüchen, Sauerstoffmangel und Knochendeformationen. Es gibt keine Erholungsmöglichkeiten, sie gewöhnen sich schließlich daran, das Ende der Arbeit zusammen mit ihren Vätern mit Alkohol zu begießen. Drogenmissbrauch ist häufig. Zwar gibt es Schulen, aber viele Kinder be-suchen sie nicht, weil sie in den Minen arbeiten müssen. Gewöhnlich arbeiten sie acht Stunden am Tag und werden nach Akkord bezahlt, aber am Ende haben sie nicht einmal den Mindestlohn. Die meisten Minen beschäftigen die Kinder illegal, unter Tage wird das Problem der Kinderarbeit praktisch unsichtbar. Kinderarbeit verstößt in jeder Hinsicht gegen die kolumbianischen Gesetze, aber es mangelt auch hier an deren Durchsetzung. Diejenigen, die gegen diese Gesetze verstoßen, erwartet nur eine geringe Strafe.
Die Arbeit in den Minen hat extreme Auswirkungen auf die Kinder, extrem sind aber auch die Gründe, die sie bei der Arbeit antreiben:
"Die Mädchen und Jungen, die zu den Flözen gehen, während der Regen auf ihre Köpfe tropft müssen alles, was sie bekommen, ihren Eltern geben. Die Armut lässt ihnen keine andere Wahl, wenn die Zähne vor Hunger knirschen, während im Hintergrund tagaus tagein die Seifenopern über den Fernseher flimmern. Das ist das Ergebnis einer Serie von Ungleichheiten, die auf dem Rücken derjenigen ausgetragen werden, die am verwundbarsten sind.
An manchen Tagen erscheint das Leben so grausam, dass die Kinder am liebsten
nicht mehr von der Schule nach Hause gehen wollen. Keines von ihnen will
wie die Erwachsenen arbeiten. Sie wollen nicht halbnackt und mit bloßen
Füßen im Lehm der Minen versinken, weil sie wissen, dass in
den Minen kein Geld zu verdienen ist. Minenarbeiter werden geplagt von
Hautpusteln, Pilzen und Rückenschmerzen. Ihre Haut schält sich
ab, Schwielen beginnen zu bluten und zu eitern, ihre Muskeln zucken vor
Krämpfen, Finger und Zehen verkrümmen sich zu Pranken."
Blumen
Die Schnittblumenindustrie mag verglichen mit der Minenarbeit als Paradies erscheinen, aber auch hier lauern wie in der übrigen Landwirtschaft viele Gefahren. Kinder, die hier arbeiten, sind oft giftigen Substanzen ausgesetzt, wenn die Felder mit Pestiziden besprüht werden. Sie leiden unter körperlicher Überanstrengung, haben Probleme mit der Körperhaltung, weil sie sich oft während der Arbeit bücken müssen, und sind in ihrer körperlichen Entwicklung benachteiligt. Auf vielen Plantagen gibt es weder Schutzkleidung noch ausreichende Ausrüstungen. Kinder erledigen alle Arten von Arbeit: Sie graben den Boden um und pflanzen, lichten die Pflanzenreihen, beschneiden sie, halten die Beete von Unkraut frei, entknospen, arbeiten in den kühlen La-gerhallen und verpacken die Blumen. Viele von ihnen kamen durch ihre Eltern, die dort schon arbeiten, in den Betrieb.
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Die Arbeitslosigkeit in der Republik ist auf unverändert hohem Niveau und erreicht nach offiziellen Angaben bis zu 40 %. Trotzdem gibt es niemals genügend Zuckerrohrschneider, wenn die Ernte ansteht, weil viele Dominikaner diese Arbeit wegen der Arbeitsbedingungen scheuen. Die Folge ist, dass zur Zeit der Zuckerrohrernte viele Menschen aus Haiti herüberkommen. Viele von ihnen werden zu dieser Arbeit gezwungen, unter ihnen sind auch viele Kinder.
Um deren Situation verstehen zu können, müssen wir einen Blick auf die Lage der Kinder in Haiti selbst werfen, wo sie in traurigen Verhältnissen leben. Das betrifft nach UNICEF-Angaben allein in der haitia-nischen Hauptstadt Portau-Prince 200.000 Kinder. Rund 52 % aller Kinder zwischen zwei und fünf Jahren sind unterernährt. Die Bedingungen, unter denen Kinder auf der anderen Seite der Insel in der Dominikanischen Republik leben, sind nicht viel besser, weil es die Regierungen in beiden Ländern versäumt haben, sie wirksam zu schützen. Es ist berichtet worden, dass die dominikanische Regierung die Zwangsarbeit von Kindern auf den Zuckerrohrplantagen aktiv för-dert.
Zuckerrohrplantagen
Seit 1986 gibt es einen Vertrag zwischen den Regierungen Haitis und der Dominikanischen Republik, der die "Lieferung" von Zuckerrohrschneidern vorsieht. Das führte zu Brachialmethoden bei der "Anwerbung", zu Gewalt, Entführungen, falschen Versprechungen und der willkürlichen Zusammentreibung von "dunkelhäutigen Haitianern." Die Kinder werden eingefangen, weil ihre Fänger verzweifelt auf der Suche nach billigen Arbeitskräften sind. Ein Junge beschreibt, wie das vor sich geht:
"Eines
Tages sprach ihn ein Mann an und machte ihm Versprechungen wegen einer
Arbeit in der Dominikanischen Republik. Er begleitete den Mann bis zur
dominikanischen Grenze, wo ihn ein Armeehauptmann in Empfang nahm. Die
folgenden drei Tage verbrachte er in einem engen, von Soldaten bewachten
stinkigen Lager, bis er in einem Bus nach Batey Haiti Mejia gebracht wurde.
Er habe, so der Junge, dem Mann geglaubt, der ihn zur Grenze gebracht
habe, weil das doch ein Erwachsener gewesen sei."
Das Leben auf den Zuckerrohrfeldern ist dem Lawyers' Committee for Human Rights von einer Gruppe befragter Jungen folgendermaßen beschrieben worden:
"Von 6 Uhr morgens bis 6 Uhr abends wird an sieben Tagen in der Woche Zuckerrohr geschnitten. Die Kinder gehen nicht zur Schule und wissen in der Regel nicht einmal, wo sie sind. Sie schlafen in einem engen Raum zu fünft. Sie haben keine Ahnung davon, wann und wieviel Geld sie für ihre Arbeit bekommen. Ihre einzige Nahrung besteht aus einer Reisration pro Tag, wie die anderen Zuckerrohrschneider dürfen sie die Plantage nicht verlassen. Die Kinder machen einen sehr verwirrten und verängstigten Eindruck und geben auf Befragen an, nach Haiti zurückkehren zu wollen.
Eine andere Gruppe, zu der auch ein Junge von acht Jahren gehörte,
zeigte den Anwälten ihr Schlafquartier, in dem es außer einigen
rostigen Bettstellen nichts gab. Matratzen und Decken fehlten völlig,
weder Strom noch Wasser waren vorhanden.
Jedes der befragten Kinder war der Ansicht, dass Zuckerrohrschneiden eine
gefährliche Arbeit sei."
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Mehr als 40 %, der Bevölkerung Ecuadors sind weniger als 14 Jahre alt, knapp 60.000 junge Menschen strömen jedes Jahr neu auf den Arbeitsmarkt. Die Arbeitslosenrate steigt in dem Maße, in dem die Regierung versucht, die, wie sie es nennt, "Modernisierung des Staates", zu verwirklichen. 1993 wurde geschätzt, dass mehr als drei Viertel der Bevölkerung unter der Armutsgrenze lebten, 30 %, davon in absoluter Armut. Letztere überleben vor allem im informellen Sektor.
Straßenkinder
Der Staat ignoriert die Tatsache, dass Tausende von Kindern auf der Straße leben, deren Existenz stillschweigend akzeptiert wird. Nicht allerdings von den Gewerkschaften, die dieses Problem als Folge einer nicht vorhandenen Sozialpolitik ansehen:
"Weil es keine Politik gibt, die diese Kinder ernst nimmt, sind sie ohne Schutz und verletzbar. Sie werden durch Arbeit ausgebeutet, sexuell missbraucht und arbeiten oft als illegale Händler. Immer häufiger wird über sexuellen Missbrauch und Mißhandlungen im Hafen von Guayaquil berichtet. Die Mehrzahl der Kinder, die verschwinden und nicht selten Opfer von Menschenhändlern werden, enden in der Kinderarbeit oder auf der Straße."
Straßenkinder
sind in der Regel sehr jung, wenn sie anfangen zu arbeiten und leben
in äußerst armseligen Verhältnissen. Sie leiden unter
ihnen feindlich gesonnenen Erwachsenen, die sie missbrauchen, leben in
einer ständigen Atmosphäre von Gewalt - wo die Kriminalitätsrate
sehr hoch ist - und sind oft Opfer von Razzien und anderen Polizeiaktionen.
Sie sind oft unterernährt und haben andere gesundheitliche Beeinträchtigungen.
Dauernd sind sie einem großen psychischen Druck und Stress ausgesetzt.
Analphabetismus, Herumlungern und exzessiver Drogenmissbrauch vor allem
durch Inhalieren sind weit verbreitet. Sexuelle Frühreife und Prostitution
sind häufig.
Diese Kinder kommen aus extremer Armut, schon ihre Mütter wurden oft zur Prostitution gezwungen. Gewalt war ein fester und alltäglicher Bestandteil ihres Lebens. Mit anderen Worten: Diese Kinder sind das Ergebnis eines fortschreitenden Zerfalls der Familien. Straßenkinder haben mehr oder weniger alle Brücken zu ihren Familien abgebrochen. Für sie ist bei allen Risiken das Leben auf der Straße eine brauchbare Alternative dazu, für Tausende sogar die beste aller möglichen Optionen.
Der Zusammenbruch der Familien reflektiert nur die allgemeineren sozialen Gründe, die dahinterstecken. Unter optimalen Bedingungen, gar mit einem eigenen Haus, einer gutbezahlten Arbeit, mit Zeit, sich zu entspannen, umsorgt von Hausangestellten, die waschen, kochen und saubermachen, fällt es leicht, ein guter Vater oder eine gute Mutter zu sein. Unter den Bedingungen extremen Armut, die zum Alptraum wird, weil der letzte Gedanke vor dem Zubettgehen darin besteht, sich zu fragen, wo man sich am nächsten Tag etwas zu Essen besorgen kann und der tägliche Kampf ums Überleben alle körperlichen und psychischen Energien aufsaugt, sieht dies jedoch schon ganz anders aus. Kinderarbeit ist das Ergebnis eines Systems, das massenhaft Armut hervorbringt und kann deshalb nicht nur vor dem Hintergrund der Familiensituation gesehen, sondern muss als ein grundsätzliches politisches Problem betrachtet werden.
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Peru leidet unter einer hohen Belastung durch Auslandsschulden und verfolgt eine strikte Sparpolitik, in deren Rahmen die Sozialausgaben gekürzt worden sind. Wie auch anderswo, sind es vor allem die Kinder, die am meisten von diesen Entwicklungen betroffen sind. So führte die Reduzierung des Sozialhaushaltes dazu, dass 47 % des Nationalen Aktionsplanes für Kinder nicht finanziert werden konnten.
Nach Schätzungen von Nichtregierungsorganisationen arbeiten 3,6 Millionen Kinder, die meisten davon in ländlichen Gegenden.
Kinder als Hausangestellte
Ein beträchtlicher Prozentsatz der arbeitenden Mädchen findet sich in Haushalten. Ihre genaue Zahl ist unbekannt, eine Erhebung gab eine Zahl von über 14.000 an.
Eine Frau, die einst als Kind in einem Haushalt arbeitete, beschreibt das Leben, das sie führte:
"Du spielst mit den Kindern deiner Arbeitgeber, aber wenn irgend etwas passiert, ist es deine Schuld. Dein Arbeitgeber kann dich schlagen, dir drohen oder dich zurückschicken, wenn du nicht das tust, was man von dir erwartet. Der Raum, in dem du schläfst, ist heiß und eng. Bei der Arbeit bist du völlig isoliert, und du fühlst dich verloren. Es gibt nichts, was dir Freude macht. Zwar kannst du oft aus dem Haus gehen, aber nur in deiner Arbeitskleidung und um nach den Kindern zu schauen. Du bist immer mit der Familie zusammen, aber du gehörst nie wirklich dazu. Du vermisst deine Familie. Ich weinte immer, wenn ich wieder von zu Hause wegfahren musste."
Sie haben niemanden, der hinter ihnen steht und sie unterstützt und werden dadurch nur allzu leicht Opfer von körperlicher Misshandlung und sexuellem Missbrauch.
Die Gefahr sexueller Ausbeutung besteht nicht nur im Haus der Arbeitgeber. Mädchen in dieser Lage sind generell gefährdet. Sie sind völlig unwissend, was dadurch verstärkt wird, dass sie nicht lesen können. Wenn sie abends Ausgang haben, sind sie eine leichte Beute für den erstbesten Mann, der ihnen nur ein wenig Sympathie entgegenbringt. Viele werden schwanger oder driften in die Prostitution ab. Manche, die auf den Strich gehen, meinen aber auch, dass sie dieser Arbeit den Vorzug vor der Ausbeutung im Haushalt geben.
Abfallhalden und städtische Müllkippen
Am schlimmsten dran sind vermutlich die Kinder, die davon leben, die Müllhalden nach Verwertbarem zu durchstöbern.
"Wenn die Schweine alles Essbare aus den Müllhaufen, die die Lastwagen anliefern, herausgefischt haben ... beginnt das Trennen der verschiedenen Materialien, die sich darin befinden. Das ist normalerweise Aufgabe eines "Aufsehers" und seiner Familie oder von anderen Erwachsenen oder Kindern, die diese Arbeit übernehmen. Es kommt auch vor, dass Trödler, sogenannte Cachivacheros, ein Stück Land mieten, auf dem Lastwagen ihre Fracht, die keine Lebensmittelreste enthält, abkippen. Die Trödler arbeiten entweder mit der ganzen Familie auf dem Müllplatz oder heuern Erwachsene und Kinder an, die in ihrem Auftrag die Ladung sortieren."
Die Kinder leben mit ihren Familien und anderen Personen auf den Müllkippen. Manche arbeiten auch alleine hier und suchen die Halden nach Dingen ab, die sie entweder direkt auf der Halde oder außerhalb weiterverkaufen können. Von Zeit zu Zeit kommen LKWs, um bestimmte Materialien aufzukaufen. Einer der größten Müllabladeplätze in Peru liegt bei El Basural del Fundo Oquendo in Callao, dem wichtigsten Hafen des Landes: Die Bedingungen sind die Hölle. Die Kinder leben inmitten eines unerträglichen Verwesungsgestankes. Es riecht nach Schweinen, und Rauchschwaden von brennendem Abfall wehen umher. Hunde streunen in dieser Mondlandschaft herum. Nahe bei den Müllhalden befindet sich der Strand, wo das Wasser von den Sickerwässern und anderen Abfällen verseucht ist. Aber auch dort baden die Kinder inmitten von Hunden, Schweinen und Möwen.
Goldminen
In den Wäldern Perus gibt es viele Goldsucherlager. Dort werden Kinder - Jungen und Mädchen - wie Sklaven gehalten. In die Lager kommen sie gewöhnlich über Zwischenhändler aus der peranischen Sierra, die sie betrügen und sie an die Besitzer der Schürfstellen verkaufen, wo sie unter unmenschlichen Bedingungen arbeiten müssen. Nach Presseberichten fand man geheime Gräber mit nicht identifizierten Überresten von Kindern.
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Forschungsergebnisse über Kinderarbeit in Afrika sind dünn gesät, aber die IAO schätzt, dass in Afrika wenigstens ein Viertel aller Kinder unter 14 Jahren arbeitet und dieser Anteil in einigen Ländern sogar bis zu 50 % beträgt. Kinder handeln und verkaufen Essen auf der Straße, waschen Autos, arbeiten in Kiosken, helfen in Haushalten, gerben und färben Leder, tragen Wasser herbei, sammeln Feuerholz, hüten Tiere und sind als Erntearbeiter auf den Feldern der Familie oder auf großen Plantagen tätig. Das US-Arbeitsministerium stellte fest, dass in Afrika Kinder in Gold- und Diamantenminen arbeiten, Teppiche weben und Sisal weiterverarbeiten - alles Produkte, die exportiert werden. Kinder sind auch immer mehr in Bereichen anzutreffen, die mit hohen Risiken verbunden sind, wie Kinderprostitution, die in Afrika bisher unbekannt war. Wie in anderen Teilen der Welt, so sind auch in Afrika die hohen Militärausgaben neben den niedrigen Ausgaben im Bildungsbereich ein bestimmender Faktor für die Entwicklung der Kinderarbeit. |
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43 % der Bevölkerung Mauretaniens sind unter 15 Jahren alt. Die offizielle Arbeitslosenrate beträgt 35 %.
Mauretanien hat, wie die meisten Entwicklungsländer, einen riesigen Schuldenberg abzutragen. Zusammen mit der Weltbank und dem Internationalen Währungsfonds wurden Strukturanpassungsprogramme entwickelt. Aber wie andere Programme dieser Art, so tragen auch diese wenig dazu bei, das Problem der Kinderarbeit zu lösen.
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Sollten Sie der Ansicht sein, dass Kinderarbeit in Europa und den USA mit dem 19. Jahrhundert endete, so irren Sie sich. Wenn auch dieses Phänomen z.B. in den nordeuropäischen Ländern weniger anzutreffen ist, weil dort die Gesetze strenger kontrolliert werden und es die Schulpflicht gibt, so ist es in Südeuropa zu einem echten Problem geworden - besonders in verschiedenen exportorientierten Bereichen. |
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Nach Angaben der Kinderschutzorganisation Child Powerty Action Group lebt ein Drittel der britischen Kinder mittlerweile am Rande der Armut. Es gibt keine offiziellen Angaben zur Beschäftigung von Kindern unter 16 Jahren. Eine lokale Untersuchung durch die Low Pay Unit (LPU) fand allerdings heraus, dass 40 % aller befragten Kinder auf die eine oder andere Weise in einem Beschäftigungsverhältnis gegen Bezahlung standen, wobei die Art der Beschäftigung über Babysitting, Botengänge erledigen usw. hinausging. Weiters zeigt diese Studie einen Zusammenhang zwischen der Arbeitslosigkeit der Eltern und dem Ausmaß der Kinderarbeit und wies nach, dass allein in London vier von fünf arbeitenden Kindern eine illegale Beschäftigung ausübten, weil sie entweder noch zu jung waren oder die Arbeit nicht für Kinder geeignet war.
Da immer mehr Kinder in Familien mit sehr niedrigem Einkommen aufwachsen, wird auch der Anteil der Kinder wachsen, die irgendeine Arbeit - meistens eine Illegale - suchen.
"In einem fischverarbeitenden Betrieb in North Tyneside stellten zwei Aufsichtsbeamte bei einer Inspektion fest, dass dort Kinder und Jungendliche beschäftigt waren, um Garnelen zu schälen. Darunter waren Jungen, den einen schätzten Beamten auf 8-9 Jahre, den anderen auf 10 Jahre. Die Inspektion fand um 21.45 Uhr statt."
"Ein Junge von 13 Jahren, der Milch austrug, wurde schwer verletzt, als er vom Lieferwagen seines Chefs überfahren wurde." (Gewerkschaftsuntersuchungen in anderen Ländern wie etwa Neuseeland belegen, dass Kinder, die Milch, Zeitungen usw. ausliefern, besonders gefährdet durch Verkehrsunfälle sind.)
Prostitution
Kinderprostitution ist ein ernstes Problem für Großbritannien. In einem jüngst erschienenem Artikel (nicht dem ersten) war zu lesen, dass ein Mädchen, das als Prostituierte gearbeitet hatte, tot aufgefunden worden sei. Dieses Mädchen ist kein Einzelfall, denn die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die sich prostituieren, wird auf 3.000 bis 5.000 geschätzt. Man findet sie in solchen Gegenden wie Bradford und Sheffield.
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Es wird geschätzt, dass es in Italien mehrere hunderttausende arbeitende Kinder gibt, die in verschiedenen Bereichen beschäftigt sind. Kinderarbeit tritt konzentriert in den großen Städten Neapel, Mailand und Genua auf und in den Provinzen Sizilien, Apulien und Alazio. Viele Kinder schwänzen die Schule, um zu arbeiten. Die Arbeitsinspektoren haben oft das Gefühl, nichts ausrichten zu können, weil die oft kleinen Fabriken häufig geschlossen und anderswo unter den gleichen Bedingungen wiedereröffnet werden. Mittlerweile interessiert sich auch die Mafia für Kinderarbeit als Einkommensquelle.
Die Mafia und mafiaähnliche Organisationen sind sehr stark in das Geschäft mit der Kinderarbeit verwickelt. Marina Valcarenghi, die im Auftrag von Anti-Slavery International einen Bericht über Italien verfasst hat, berichtet, dass die Mafia in Sizilien und Mailand einen erheblichen Marktanteil gewonnen habe.
Mitunter sind die Eltern sogar froh, wenn sie ihr Kind an jemanden weitergeben können, der ihm Arbeit gibt. Ob die Kinder darüber unglücklich sind, interessiert niemanden.
"1976 beging Michele Colonna, ein vierzehnjähriger Schafhirte, Selbstmord. Im Alter von zehn Jahren an einen Bauern verkauft, lebte er die folgenden Jahre wie ein Sklave. Mehrmals rannte er davon, aber sein Vater schickte ihn immer wieder zurück. Schließlich hielt er es nicht mehr aus und erschoss sich."
Trotz der Ungeheuerlichkeit, die sich an diesem Fall zeigt, sieht man auch heute nach Angaben von UNICEF noch immer Jungen wie Michele, die die Berge von Sizilien und Süditalien mit ihren Herden durchstreifen.
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Kinderarbeit ist auch in Portugal im Ansteigen begriffen. Immer mehr Kinder werden von kleinen Unternehmen beschäftigt, um auf dem europäischen Markt an Wettbewerbsfähigkeit zu gewinnen. Die Kinder erledigen oft als illegal Beschäftigte Akkordarbeit, die keine besonderen Kenntnisse erforderlich macht. Sie teilen das Schicksal mit Millionen Kindern auf der Welt, die niemals dem Kreislauf aus fehlender Schul- und Berufsausbildung entfliehen können:
"Roza macht gerade in einer Abendschule ihren Schulabschluss nach. Als sie 13 Jahre alt war, arbeitete sie in einer Textilfabrik für umgerechnet fünfzehn US-Dollar pro Monat. Immer, wenn ein Arbeitsinspektor die Fabrik besichtigte, wurde den älteren Beschäftigten gesagt, dass die einen höheren Verdienst angeben sollten, als sie tatsächlich erhielten. Jüngeren wurde befohlen, sie sollten sagen, dass sie die Cousins bzw. Cousinen der Älteren seien und ihnen nur zur Hand gingen. Isabel, die in die gleiche Klasse wie Roza geht, arbeitete seit ihrem 11. Lebensjahr in einer Kleiderfabrik und musste sich immer in einem großen Pappkarton verstecken, wenn eine Inspektion stattfand. Beide Mädchen hoffen, dass sie durch einen bessere Schulausbildung diesen Teil ihres Lebens endgültig hinter sich lassen können."
Kinderarbeit kommt überall in Portugal vor, aber die Metallverarbeitung, der Handel, der Fremdenverkehr, die Textilindustrie, der Bausektor, Töpfereien und die holzverarbeitende Industrie sind bevorzugte Bereiche, in denen sie besonders häufig anzutreffen ist. Die Schuh- und Bekleidungsindustrie und Haushalte sind ebenfalls dafür bekannt, dass dort viele Kinder beschäftigt sind.
Die Arbeitsbedingungen der Kinder werden als "mittelalterlich" bezeichnet:
"Sie arbeiten zwischen 10 und 14 Stunden pro Tag. Einige Kinder gehen schon um 7.00 Uhr morgens zur Arbeit und kehren nicht vor 21-22 Uhr heim. Die meisten Unternehmen, die Kinder beschäftigen, sind selbst nicht angemeldet. Sobald sie 18 Jahre alt sind, werden die Kinder gefeuert. Es gibt Fälle, in denen Arbeitgeber die Kinder verprügelten und Mädchen von ihnen vergewaltigt wurden. Werden diese schwanger, so ist dies ein weiterer Grund, sie auf die Straße zu setzen .....
Manche Kinder leiden unter seelischen und körperlichen Erkrankungen, Probleme der Wirbelsäule und Deformationen an Beinen und Armen treten häufig auf ....."
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Ungefähr 16 % der spanischen Bevölkerung sind unter 16 Jahren alt. Einige Quellen sprechen von mehr als 400.000 Kindern in Spanien, die einer Arbeit nachgehen. Sie machen genau die gleiche Arbeit wie die Erwachsenen, allerdings mit dem Unterschied, dass sie dafür nur die Hälfte des üblichen Lohnes bekommen. Manche Kinder arbeiten im familieneigenen Betrieb noch fünf oder sechs Stunden pro Tag neben der Schule, ohne dafür Geld zu bekommen. Sie arbeiten in Geschäften, Bars, in der Landwirtschaft, sie sind auf Straßenmärkten zu finden, verkaufen allerlei Waren oder putzen Windschutzscheiben von Autos, wenn diese an Ampeln halten. Selbstredend gibt es für sie keinerlei rechtlichen Schutz, weil sie im informellen Sektor beschäftigt sind. Auch sind sie sich in der Regel nicht der Risiken bewusst, die mit ihrer Arbeit verbunden sind. Viele Kinder, besonders die, die in der Landwirtschaft oder auf dem Bau arbeiten, haben die Schule abgebrochen.
Auch Spanien hat seine Straßenkinder, von denen viele als Schuhputzer arbeiten. Andere sind fliegende Händler, sammeln Papier, betteln oder leben von der Prostitution. In 51 % der Fälle, die der spanische Gewerkschaftsbund UGT untersuchte, arbeiteten Kinder, um etwas zu dem mageren Familieneinkommen beizutragen. 14,4 % wurden von ihren Eltern dazu gezwungen. Die Mehrheit der Kinder begann im Alter von unter zehn Jahren mit der Arbeit, knapp 33 % fingen im Alter zwischen 11 und 14 Jahren damit an.
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1990 startete das US-Arbeitsministerium eine Kampagne mit dem Titel "Operation Child Watch", um schärfer gegen Rechtsverletzungen im Zusammenhang mit Kinderarbeit vorzugehen. Untersuchungsbeamte fanden mehr als 1.450 Kinder zwischen 14 und 17 Jahren und 225 Kinder unter 14 Jahren, die illegal und unter gefährlichen Umständen, beschäftigt waren. In mehr als 1.760 von 3.776 untersuchten Betrieben wurden Gesetzesverstöße festgestellt. Insgesamt wurden im Verlauf des Jahres 1990 mehr als 20.000 illegal beschäftigte Minderjährige gefunden, die Zahl der Rechtsverstöße war im Zeitraum 1984-1990 von 8.731 auf knapp 40.000 gestiegen.
Kinder werden in vielen Betrieben ausgebeutet: Sie liefern Pizzen aus, waschen Autos, arbeiten in der Landwirtschaft und in Fast-Food-Restaurants. Eine Regierungsstudie ermittelte, dass allein 1987-1988 48 Kinder durch Arbeitsunfälle starben und 128.000 verletzt wurden. Die Zeitung Boston Globe berichtete in einer Reportage darüber:
"Sie leben in Armut und verwahrlosen, während sie unsere Nahrung ernten, Hunderte von schmutzigen Etiketten mit der Aufschrift "Made in America" in unsere Kleidung nähen, in Wohnwagen und Mietwohnungen billige Modeschmuckketten aufreihen, gefährliche Maschinen in Restaurantküchen und Geschäften in der Nachbarschaft bedienen. Überall im Land bringen sie spät in der Nacht unser Fast-Food, bereiten unsere Muffins zu und den Kaffee am Morgen. Oftmals verbrühen und verbrennen sie sich, werden bei ihrer Arbeit von Maschinen aufgeschlitzt, sind auf den Feldern Pestiziden ausgesetzt und müssen in Fabriken Dämpfe einatmen, die ihnen den Atem rauben."
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"Der Weltfriede kann auf Dauer nur auf sozialer Gerechtigkeit aufgebaut werden."(Verfassung der IAO) |
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III. Strategien gegen Kinderarbeit
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IV. Gerechtigkeit und Freiheit, die wir meinen - "Bittere Orangen" von Gerhard Riess
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